Antoni Gaudí i Cornet
Eine kurze Biografie
Antoni Plàcid Gaudí i Cornet erblickt 1852 in Reus in der Nähe von Tarragona das Licht der Welt, als Sohn eines Schmiedes; die Mutter stammt aus einer Töpferfamilie und stirbt noch während seiner Kindheit. Nach einer Lehre als Schmied, die Grundlage für den späteren meisterlichen Umgang mit dem Material bedeutete, begann Gaudí mit 20 Jahren an der Escola Superior d'Arquitectura in Barcelona mit seinen Architekturstudien. Dort fiel er nicht gerade als guter Student auf, erlangte jedoch 1878 trotzdem das Architekturdiplom. Nach Ende des Studiums unternahm er Reisen in Katalonien und in die angrenzenden Regionen. Die Arbeiten von Eugenie Viollet-le-Duc über mittelalterliche Bauten und ein Besuch in Carcassonne, wo dieser mit Restaurierungsarbeiten beschäftigt war, sollten ihn stark beeinflussen. aneben beschäftigte sich Gaudí auch mit sozialen Problemen und arbeitete Pläne für Arbeiterwohnungen aus.
Sein erstes Werk wird, noch vor Beendigung des Studiums zusammen mit Josep Fontserè i Mestres, die Brunnenanlage im Parc de la Ciutadella in Barcelona, die in den Jahren 1877-82 fertiggestellt wurde. Weitere frühe Werke sind die Casa Vicens, die von 1878-80 in Barcelona erbaut wird; und El Capricho, ein Haus in Comillas im Norden Spaniens, für das Gaudí von 1883-85 arbeitet, obwohl er selbst (ganz im Gegensatz zu seinen späteren Gewohnheiten) nie die Baustelle besucht hat. Besonders dort bewies er seinen meisterhaften Umgang mit Eisen, dessen Grundlagen er während seiner Lehre als Schmied gelernt hatte.
1882 begann Gaudi mit Arbeiten für den Grafen Eusebi Güell, der später sein größter Förderer werden sollte. Gaudí errichtete für den Aristokraten einige Gebäude für den Besitz Les Corts des Grafen in der Nähe von Barcelona. Der Auftrag umfaßte neben einem Pförtnerhaus das Eingangstor und Stallungen. Um diese Zeit „boomte" die Stadt, und Mäzene wie Güell, reicher Textilfabrikant und als einer der treibenden Kräfte der katalanischen Industrialisierung eine einflußreiche Persönlichkeit, konnten die Kunst fördern.
Auf den Vorschlag von Joan Martorell hin, der die Leitung am Projekt der Sagrada Familia hatte, übernahm der erst 31 Jahre alte Gaudí am 3. November 1883 die Arbeiten von Francesc de Paula Villar, dem Architekten der Diözese, der zurückgetreten war. Bis zu seinem Tode dreiundvierzig Jahre später arbeitete er daran.
Für seinen Förderer Güell begann Gaudi 1885 die Arbeiten für den Palau Güell in der Altstadt, heute in einer Seitenstraße der Ramblas mitten im Barrio Chino, einem wenig angenehmen Viertel der Stadt, gelegen. Im seinem Stadthaus versammelte Güell allerlei Intellektuelle um sich. Gaudí war ständiger Gast und entdeckte in dieser Zeit die Theorien von John Ruskin, die damals in Barcelona für Diskussionsstoff sorgten.
Während Gaudí noch mit Palau Güell beschäftigt war, erhielt er den Auftrag, den Pavillon der Compañia Transatlántica für die See-Ausstellung in Cadiz zu errichten, ein Jahr später kam ein Pavillon der gleichen Gesellschaft für die Weltausstellung in Barcelona hinzu. Die Schiffahrtsgesellschaft (damals die größte Spaniens), gehörte dem Schwager Güells, dem Marqués de Comillas
1887 unterbrach ein weiterer Auftrag die Arbeiten an Sagrada Familia und Palau Güell: Vom Bischof von Astorga, dem aus Gaudís Geburtsort REUS stammenden Juan Grau, wurde er nach Astorga berufen, um für den alten Bischofspalais dort, der einem Feuer zum Opfer gefallen war, Ersatz zu schaffen. Gaudí brach die Arbeiten dort nach dem plötzlichen Tod von Grau 1890 ab; das Bischofspalais wurde von Luis de Guereta, einem Architekten aus Madrid, vollendet. Gleich nach seiner Rückkehr nach Barcelona wandte sich Gaudí einem anderen religiösen Gebäude, dem Convento Teresiano, zu, welches 1894 vollendet wurde. Vor dem Hintergrund der Ordensregel der Sparsamkeit zeigt dieses Bauwerk in seinem deutlichen Kontrast zu seinen früheren Werken eine recht strenge Ausprägung der Neogotik. Das Sparen fiel dem detailbesessenen Gaudí nicht leicht: Als der Bauherr, Reverend Enrique Ossóernsthaft die steigenden Rechnungen kritisierte, antwortete Gaudí ungerührt: „Jedem das Seine, Reverend Enrique, ich baue Häuser, Sie halten Messen und predigen.“
Gaudís Ziel war es immer, auch andere Künstler in seine Architektur einzubeziehen (Architektur war für ihn die „Hauptkunst“ war. Frei von Schwierigkeiten war die Zusammenarbeit allerdings aufgrund dieser Haltung nicht, und auch mit engen Freunden wie Carles Maní, mit dem er zusammen an der Casa Mila arbeitete, war das Verhältnis nicht frei von Reibung.
Zwei Ideale bestimmten Gaudís Auffassung von Architektur: Zum einen die Idee der „mittelmeerischen Gotik“, die nach seiner überzeugung die Anwendung der strukturellen Grundlagen der Gotik an Licht und Klima der Mittelmeerländer anpaßt, und zum anderen die Fortführung der Tradition des Katholizismus in der Architektur. Gaudí strebte eine „Gotik nicht des nebligen Nordens, sondern des hellen Sonnenlichts“. Gaudí durchaus von seiner Zeit beeinflußt, der Romantischen Wiedergeburt.
Von 1898 bis 1904 arbeitete Gaudí an der Casa Calvet in der Carrer Casp, 1901 wurde ihm der Preis der Stadt Barcelona dafür verliehen - der einzige, den er jemals bekam. Ebenfalls 1898 wurde er von seinem Mäzen Güell beauftragt, Wohnungen mit sozialen Einrichtungen für die Arbeiter seiner Fabrik in Santa Coloma de Cervelló zu errichten. Die dortige Kapelle diente Gaudí als Experimentierplattform für andere Konstruktionen, vieles, was später in der Sagrada Familia verwirklicht werden sollte, wurde hier zuerst ausprobiert, auch die schrägen Stützpfeiler für die Terasse im Park Güell wandte er hier zuerst an.
Die Arbeit in der Arbeiterkolonie wurde niemals vollendet, und auch im Park Güell, der ja ursprünglich als Gartenstadt geplant war, wurden nur wenige Häser gebaut. Von 1906 an nahm Gaudí dort selbst zusammen mit seinem Vater und seiner Nichte seinen Wohnsitz.
1905 beginnen die Arbeiten an der Casa Battló am Passeig de Gracia, an der Gaudís Vorstellungen von Farbe sehr charakteristisch ausgeführt sind. Im gleichen Jahr begannen die Arbeiten an der Casa Milá, die auch „La Pedrera“ (Der Steinbruch) genannt wird: „Dies war Gaudi´s letzter und ehrgeizigster Entwurf eines Wohnhauses, es steht symbolisch für alles, wonach Gaudí strebte“. Auch dieses Projekt blieb unvollendet; die von Carles Maní entworfenen Madonnenstatue auf dem Dach wurde nie errichtet.
Trotz aller dieser Projekte standen die Arbeiten an der Sagrada Familia nach wie vor im Vordergrund. 1909 baute er die kleine Gemeindeschule der Sagrada Familia, von der später Le Corbusier so begeistert sein sollte. In seinen letzten Lebensjahren lebte Gaudí, so international bekannt un so berühmt er in seiner Vaterstadt war, als armer Mann. Er war fast nur noch in der Werkstatt zu Füßen der Sagrada Familia zu treffen. Gaudí war zutiefst religiös. Seine genaue Kenntnis der Religion offenbart sich in der Organisation der Sagrada Familia, die trotz ihrer auf den ersten Blick sehr unkonventionellen Form wie keine andere Kirche auf ihren Zweck zugeschnitten ist. Seit dem Zeitpunkt, als Gaudi die Arbeiten an der „Großen Kathedrale der Armen“ im Jahre 1883 übernahm, drehte sich sein ganzes Leben und Schaffen um dieses Projekt. 1911 erkrankte Gaudí und hielt sich in Begleitung seines Freundes Dr. Santaló in Puigcerda in den Pyrenäen auf. Zu dieser Zeit waren auch die Geldmittel bedrohlich zusammengeschmolzen, und Gaudí begleitete Josep Dalmases, den Enkel Bocabellas und dessen Nachfolger, auf Bittbesuchen bei Geldspendern. Einige Jahre später konnte tatsächlich eine bedeutende anonyme Spende in Empfang genommen werden.
Am späten Nachmittag, nach Beendigung seiner Arbeiten, pflgete Gaudí seine Werkstatt zu verlassen und einen Spaziergang zu machen, meist zur Kirche St. Philipp Neri. Am 7. Juni 1926, wurde er beim überqueren einer Straße von einer Straßenbahn niedergerissen. Wegen seiner alten Kleidung wurde der Bewußtlose in ein Armenhospital, das Hospital de la Santa Creu, gebracht, wo ihn der Gemeindediener der Sagrada Familia und der Architekt Sugranyes später fanden und ihn in ein Privatzimmer bringen ließen, wo er drei Tage später, am 10. Juni 1926, starb.
„Ein langer Trauerzug folgte seinem Leichnam zur Krypta der Sagrada Familia, wo er begraben wurde - Freunde, Arbeiter, Intellektuelle, und Leute aus der Gemeinde, die ihn so lange gekannt, geliebt und bewundert hatten."
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