Villa Bell-Esguard
Landhaus, 1900-1902

Rainer Zerbst nennt die Villa Bellesguard das „patriotischste Unternehmen Gaudís“. Tatsächlich tritt in dem zwischen 1900 und 1902 erbauten Landhaus die katalanische Gesinnung mit all ihren Symbolen an Stelle der religösen Anspielungen bei den Sakralbauten.

Das Haus, das Gaudi für Doña Maria Sagues, steht auf dem historischem Boden des Landhauses des letzten katalanischen Königs Martí I. Die wenigen Ruinen ließ Gaudi ehrfurchtsvoll stehen. Architektonisch gesehen ist das Haus wie auch die Casa Calvet relativ einfach. Diese Einfachheit und das fast völlige Fehlen von maurischen Stilelementen oder Anklängen an den Jugendstil wie bei anderen Bauwerken lassen das Landhaus recht streng wirken, und so kann es nicht als „typisch“ für Gaudí gelten - falls man seine Bauwerke überhaupt typologisieren kann.

Die Strenge, die von dem Haus ausgeht, ist durchaus gewollt: Schließlich hat man es mit einem Denkmal großer katalanischer Vergangenheit zu tun, und zweifellos war Gaudí Patriot. Diese Zeit war aber schon lange vorbei, und so finden sich in dem Bauwerk hauptsächlich Anklänge an eine mittelalterlich geprägte Bauweise, die geschickt Elemente wie Mauerzacken rund um das Haus aufgreift.

Durch die von Gaudí verwendeten Materialien - wie so oft Ziegelsteine - und Schiefergestein aus der Umgebung passt sich das Landhaus hervorragend in dieselbe ein. Bell-Esguard hießt übrigens schöne Aussicht: Genau die nämlich hat man von der Anhöhe, auf der die Villa steht, über die Stadt.

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