Casa Vicens
Sommerhaus, 1878-1880

Mit 26 Jahren, kurz nach dem Abschluß seines Architekturstudiums, erhielt Gaudi diesen Privatauftrag zum Bau eines Sommerhauses für die Familie des Ziegeleibesitzers und Keramikfabrikanten Manuel Vicens, einem frühen Mäzen Gaudís. Zur Verfügung stand ein verhältnismäßig kleines Grundstück in Gracia, das damals noch außerhalb Barcelonas lag. Trotzdem konnte ein großzügiger Park gestaltet werden, weil das Haus nicht in die Mitte, sondern an den Rand des rechteckigen Geländes gelegt wurde. Bei späteren Erweiterungen wurde die Gartenanlage teilweise zerstört, erhalten geblieben ist jedoch die kunstvolle Einfriedung zur Straße mit den gußeisernen Zwergpalmblättern.

Das Gebäude selbst ist ein Gesamtkunstwerk: Während die Fassaden des Erdgeschosses noch eher spanischem Stil entsprechen, zauberte Gaudi mit den beiden oberen Etagen und dem Dach zunehmend arabische Impressionen hervor. Dominant sind die schachbrettartig ornamentierten Keramikflächen - und Bänderungen der Türmchen, Erker und Giebelfelder. Ziegel und Fliesen stammen selbstverständlich aus den Fabriken des Bauherrn, der sein Sommerhaus damit auch zu einem „Muster-Pavillon“ seines Unternehmens machte.

Die verspielte Anlage und üppige Dekoration der Fassaden erinnert an orientalische Paläste und läßt das Gebäude größer erscheinen, als es eigentlich ist.

Das Innere wird bestimmt von exotischem Komfort. Kein Quadratzentimeter der Wände und Decken blieb von Gaudis ornamentaler Phantasie unbedacht - der Salon und die Decke des Speisezimmers mit Kirschbaumzweigen aus bemaltem Stuck sind Beispiele dafür.

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